Von der Wortherkunft ist der Virtuose der Tugendhafte. Das passt allerdings so gar nicht zu den landläufigen Vorstellungen vom extravaganten Auftreten von Teufelsgeigern und Tastenlöwen. Als Prototyp eines Virtuosen gilt der Italiener Niccolò Paganini. Man hat ihm alles Mögliche angedichtet, dem Teufelsgeiger, dem angeblich die Frauen nicht nur zu Füßen lagen, weil er das Geigen virtuos beherrschte und nichts anbrennen ließ. So die Legende, die auch durch diese Operette noch befeuert wird.
Die Männer- und die Frauenrollen werden 1925 vom Librettisten-Duo Knepler/Jenbach klar und eindeutig zugeordnet, wie es dem Operetten-Paganini auch in dem Lied Gern hab ich die Frau´n geküßt unverblümt in den Mund gelegt wird:
Gern hab′ ich die Frau’n geküsst,
hab′ nie gefragt, ob es gestattet ist,
dachte mir: nimm sie dir,
küss´ sie nur, dazu sind sie ja hier!
Ja, glaubt mir: Nie nahm ich Liebe schwer.
Ich liebe heiß, doch treu bin ich nicht sehr,
bin ein Mann, nicht viel dran,
Liebchen fein: ich guck‘ auch andre an!
Das bedarf keines weiteren Kommentars.

Das Titelblatt von Gabor von Ferenchich bedient ebenfalls dieses Klischee. Der göttliche Geiger blickt in die Ferne. Die wenig bekleideten Schönheiten, die an ihm hängen und ihn schmachtend anhimmeln, würdigt er keines Blickes.
Das Lied Gern hab ich die Frau´n geküßt hat Lehár dem Tenor Tauber gewidmet: Meinem lieben Freunde, Kammersänger Richard Tauber, in herzlicher Dankbarkeit zugeeignet. Tauber und Lehár waren schon seit einigen Jahren eng befreundet.

Bei der Paganini-Premiere (1925 in Wien) wurde die Hauptrolle noch vom Tenor Carl Clewing gesungen. Erst drei Monate später, Anfang 1926 bei der Berliner Inszenierung, kam Tauber zum Einsatz. Vermutlich ist das Titelblatt des Tauber-Liedes nach der Berliner Aufführung durch ein Foto des geigenden Sängers ersetzt. Der Crescendo Theaterverlag setzte auf die Werbewirksamkeit des populären Hauptdarstellers.
Die Ausgabe umfasst sechs Seiten, die zweite Seite ist unbedruckt, was ungewöhnlich ist. Innen findet sich Werbung von vier Grammophon-Labels: Polydor Schallplatten, Vox Musikplatten, Dajos Béla auf Odeon und Electrola Musiplatten. Auf der Rückseit werden vier Nummern aus Paganini im Auswahltakten vorgestellt.
Interessant ist das Logo des Crescendo Theaterverlags G.m.b.H., der in Berlin in der Jerusalemer Straße 46-49 residierte.
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